Lebensstil
Die Spaltungen zwischen entwickelten und nicht oder weniger entwickelten Regionen unserer Erde, zwischen Zentrum und Peripherie nehmen bereits jetzt aufgrund des Klimawandels dramatisch zu. Während die reichen Länder aufgrund ihrer Wirtschaftsweise und des dort vorherrschenden Lebensstils Hauptverursacher sind, können sie sich gleichzeitig aufgrund ihrer materiellen Ressourcen am besten vor den bereits einsetzenden Folgen des Klimawandels schützen.
Diese fatale Entwicklung verlangt von den Bewohnern der entwickelten Industrienationen eine wirksame Änderung des Lebensstil und der Lebensform,
verlangt nachhaltiges Leben und Wirtschaften, ein neues Denken.
Effizienz, Suffizienz und Konsistenz sind dabei untrennbar miteinander verbunden:
- Effizienz heißt eine deutliche Senkung des Ressourcenverbrauchs;
- Suffizienz bedeutet Maßhalten und Genügsamkeit bei der Inanspruchnahme der sozialen Mitwelt und der Schöpfung;
- Konsistenz verweist auf das Ziel, den Umstieg auf eine solare Wirtschaft und eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft zu schaffen.
Nur eine in diese Richtung gehende nachhaltige Lebensform schafft ein Gleichgewicht von zukunftsfähiger Ökonomie, sozialer Gerechtigkeit und ökologischer Erneuerung. Zukunftsfähig ist eine Lebensweise, die den Prinzipien der Individualität, Solidarität, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit gleichermaßen Rechnung trägt und dabei der Beseitigung von Hunger und Armut Vorrang einräumt.
Nachhaltiges Leben ist untrennbar mit der individuellen Lebensführung, also mit dem Lebensstil verbunden. Es bedeutet den individuellen und damit auch gesellschaftlichen Verbrauch von natürlichen Ressourcen zu mindern, z. B. durch Reduzierung des persönlichen „CO²-Fußabdruckes“, indem das Verhalten im Hinblick auf Verkehr, Energieverbrauch und Ernährung geändert wird. Mit einem nachhaltigen Lebensstil wird die Lebensführung in eine „natürliche Balance“ gebracht und eine symbiotische Verbindung mit den ökologischen Verhältnissen auf unserer Erde eingegangen.
Die individuellen ökologischen, sozialen und ökonomischen Bedürfnisse werden danach ausgerichtet, die Zukunftsaussichten künftiger Generationen nicht zu beschädigen.
Nachhaltiger Lebensstil heißt somit, die Bedürfnisse nur so zu befriedigen, dass die nachfolgenden Generationen ein intaktes und zukunftsfähiges ökologisches, soziales und ökonomisches System vorfinden.
Ein Mehr an Wohlbefinden und Lebensqualität wird durch einen nachhaltigen Lebensstil erreicht, der auf Selbstbegrenzung und Mäßigung setzt (Suffizienz). Das gelingende Leben muss sich verstärkt auf menschlich-soziale Werte gründen. Hohe Lebenszufriedenheit und Lebensqualität zeichnen sich durch Strukturen aus, die soziale Gleichheit, Arbeitsplatzsicherheit, sozialen Zusammenhalt und politische Teilhabe und Teilnahme sicher stellen. Das ist auch Wohlstand. Dieser ressourcenschonende, am menschlichen Maß ausgerichtete Lebensstil entwickelt sich in sozialen Netzwerken. Familien- und Nachbarschaftsbeziehungen, Vereine, Verbände, Freiwilligennetze, Tauschringe, Kooperativen, Bürgerbüros, aber auch Gemeinschaftswerkstätten und Mikrounternehmen sind Orte, um das Handeln für neue Lebensstile und Lebensformen einzuüben und zu praktizieren
Die Veränderung von Lebensstil und Lebensformen leistet einen wirksamen Beitrag hin zu einem Zivilisationswechsel, der geprägt ist von Verantwortung gegenüber der gesamten Biosphäre und dem Recht auf Leben und Entwicklung aller Menschen und zukünftiger Generationen.








