Zwei Seiten einer Medaille
"Armer Mann und reicher Mann standen da und sah’n sich an. Und der Arme sagte bleich: Wär’ ich nicht arm, wärst du nicht reich. (Bertolt Brecht 1934 in seinem Gedicht „Alfabet“) "
Armut ist nicht aus sich heraus, sondern nur im Kontext ihres Pendants, des Reichtums, wirklich zu verstehen. Gäbe es keine riesigen Einkommens- und Vermögensunterschiede zwischen den Menschen, würde man auch niemanden arm nennen können. Armut und Reichtum sind zwei Seiten einer Medaille. Ohne den Reichtum existiert keine Armut und ohne die Armut kein Reichtum. Armut und Reichtum stehen zueinander in einem Wechselverhältnis. In der kapitalistischen Profitwirtschaft gibt es einen innewohnenden Drang: Gewinnmaximierung und die Tendenz zur Verarmung eines Teils der Bevölkerung gehen Hand in Hand. Es hat sich gezeigt, dass Armut nicht durch zunehmenden Reichtum beseitigt wird. Armut, materielle Not und Mangelerscheinungen sind so alt wie die Menschheit.
Erklärungsbedürftig ist jedoch, warum es sie im Zeichen der Globalisierung und der neoliberalen Modernisierung trotz eines ständig steigenden gesellschaftlichen Reichtums immer noch gibt. Erklärungsbedürftig ist ebenfalls weshalb Familien, Kinder und Jugendliche heutzutage die Hauptbetroffenen sind. Das was Armut ist, ist nicht eindeutig definiert. Die Einkommensarmut ist in Europa sehr verschieden, sie variiert von Land zu Land und von Region zu Region. Deshalb hat man sich in der EU auf einen Begriff der relativen Armut verständigt, die Armutsgrenze liegt so bei 60 % des Medianeinkommens eines Landes.









