KAB Deutschlands zu Working Poor/Prekarsieriung
aus: Lasst euch nicht verarmen, Broschüre, Köln 2005



In Europa muss die Massenarbeitslosigkeit wirksam bekämpft werden. Europa benötigt eine abgestimmte Europäische Beschäftigungsstrategie und Wirtschaftspolitik. Die in weiten Teilen einseitige Ausrichtung der Europäischen Beschäftigungsstrategie auf Strukturreformen am Arbeitsmarkt zulasten der Arbeitssuchenden und der lohnabhängig Beschäftigten muss zugunsten einer generellen Wirtschaftspolitik zur Schaffung von Arbeitsplätzen aufgegeben werden, die sich an den Bedürfnissen der Menschen und ihrer Familien ausrichtet. Die Massenarbeitslosigkeit kann zudem auch durch Arbeitszeitverkürzungen wirksam abgebaut werden. Arbeitszeitpolitik ist Beschäftigungspolitik. Um der Ausgrenzung der Jugendlichen durch Arbeitslosigkeit zu begegnen, ist ein Recht auf eine qualifizierte Erstausbildung für alle Jugendlichen in allen Ländern Europas notwendig.

Erwerbsarbeit muss gerecht entlohnt werden. Ein „europäischer Mindestlohn” sollte mindestens die Höhe von 50 Prozent des jeweiligen nationalen Durchschnittslohnes erreicht. Qualitatives Wachstum muss die Leitidee einer europäischen „Qualitätsoffensive” sein, die wirtschaftlich, ökologisch, sozial und nachhaltig ist sowie „gute Arbeit für alle” schafft.

Es bedarf in Europa einer verbindlichen Umsetzung der Europäischen Sozialcharta und damit der vollen Ratifizierung durch alle Mitgliedsstaaten. Damit wird eine wichtige Grundlage für ein Europäisches Sozialmodell geschaffen, auch um das Recht auf Chancengleichheit und Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf für Frauen einzulösen. Das Recht auf Information, Konsultation und Beteiligung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer oder ihrer Vertreter verlangt den Ausbau der betrieblichen und überbetrieblichen Mitbestimmung.

Alle Formen der menschlichen Arbeit bedürfen der gleichwertigen und gleichrangigen Anerkennung.